Aktualisiert am 21/02/03 09:33  

MANI: Urlaub mit Stil, und nicht nur am Strand

Eine Region wilder Schönheit
Höhlen, Schluchten und mittelalterliche Türme

Läßt man sich etwas über die Mani erzählen, ohne sie selbst schon besucht zu haben, tauchen meist schon im ersten Satz die Worte "wild" und "schön" auf. Das liegt sicher daran, daß sich diese beiden Eigenschaften in jeder Hinsicht und unabhängig davon, ob man sein Augenmerk dabei auf Landschaft Mensch oder Architektur richtet, als zutreffend erweisen.

Gestaltet wird die Halbinsel hauptsächlich von der Gebirgskette des Taygetos. Sie beginnt südlich von Sparta und reicht bis zum letzten Zipfel der Halbinsel, dem berüchtigten Kap Tenaron. Benannt nach Tenaros; dem Sohn des Zeus oder des Ikaros und der Erimedes, der dem Mythos nach hier die Stadt Tenaron und das bekannte Heiligtum des Poseidons erbaute, hat es seinen Ruf dem antiken Glauben zu verdanken, der in einer Höhle bei Ajii Asomaton ein Eingangstor der Unterwelt Hades sah. Die steinige, unfruchtbare Gebirgslandschaft des Taygetos mit geringen Wasservorkommen auf der einen Seite und auf der anderen Seite eine Küstenformation mit vielen natürlichen Hafenbuchten; die einst große Anziehungskraft auf Piraten und Seeräuber ausübten, machten den Überlebenskampf der. Maniaten zu einer täglichen Herausforderung. Der Kampf hat die Menschen stolz gemacht; und sie haben einen starken Freiheitsdrang entwickelt. Würde und Anstand empfinden sie als ihr höchstes gesellschaftliches Gut. Typischen Maniaten ist es unmöglich, etwas zu ihrer persönlichen Bereicherung zu tun, was ihrem Ansehen unter den Mitbürgern schaden könnte. Es spielt für sie eine große Rolle, "was die Leute sagen". Ganz ihren historischen Vorfahren entspechend; die von Sparta aus die weitgehende Entwicklung auf dem Peloponnes bestimmten und an der Seite von Athen bis zur Zeit Alexanders des Großen die Geschichte schrieben. Sie hinterließen der Nachwelt zwar keinen Parthenon, doch schufen sie mit ihrer vom Geist bestimmten Lebenshaltung ein unvergängliches Symbol. Man lernt diesen Menschenschlag verstehen; wenn man sich der rauhen, manchmal unwirtlichen Natur der Mani aussetzt. Man lernt auch ihre architektonischen Eigenheiten verstehen, warum sie nämlich zu ihrer Behausung Türme mit starkem Verteidigungscharakter bauen mußten. Stark vertreten sind Turmbauten jeglicher Art in der sogenannten "inneren Mani". So wird die westliche Hälfte der Halbinsel unterhalb Gythions genannt. Sie ist kulturell gesehen das Zentrum der beiden anderen Landesteile, der "äußeren", zu Messinien gehörenden Mani, und der "unteren" Mani; die die Ostküste einnimmt: Die Sitten und Gebräuche ihrer Einwohner erinnern an ein jahrhundertealtes, geschlossenes Wertesystem, das sich um Sippe und Familie gruppierte und nicht nur mit fremden Eindringlingen, sondern häufig auch mit anderen Familien in Konflikt geriet.
Der größte Ort und das touristische Zentrum der inneren Mani ist Areopolis. Südlich des Ortes liegt die Dyrou-Bucht mit der bekannten Vlichada-Höhle, eine der schönsten und eindrucksvollsten Meeresgrotten der Erde. Als unterirdische Mündung des Vlichada-Flußes besitzt sie eine Fülle von Sälen, die jeweils durch massige Säulen von Stalagmiten und Korridoren voneinander getrennt sind. Zusammen mit drei bezaubernden kleinen Seen mit weißem Grund bedeckt die Höhle eine Fläche von 9.000 qkm. Für den Tourismus ist eine Strecke von zwei km elektrisch ausgeleuchtet worden. Sie wird unter Aufsicht von kleinen Booten befahren. Außer in Aeropolis konzentriert sich der touristische Unterbau im Hafen von Jerolimenas: Bevor in den sechziger Jahren die asphaltierte Straße gebaut wurde, die von Kalamata und Gythio in die innere Mani führt; war dieser Hafen der einzige Verkehrsknotenpunkt der Einwohner mit der Außenwelt.

Eine schmale Straße verläßt den Ort nach Südosten und führt nach Alika in das historische Dorf Vathia. Es gehört zu den eindrucksvollsten Orten der Mani und verdankt seine Einzigartigkeit der typisch maniatischen Architektur. Auf der Spitze eines Hügels drängen sich zwei und dreistöckige Türme aus grauem Stein zusammen und blicken auf das Ionische Meer hinaus. Sie haben kleine Fenster, die an Schießscharten erinnern, und Türen, über denen Vorsprünge herausragen, um den unwillkommenen Besucher abzuwehren. Herrliche Badestrände befinden sich in fast allen der unzähligen Buchten der Südspitze. Die schönsten davon sind das ehemalige Seeräuberische Mezapos im Westen und Porto Kagio an der Ostküste. Zur "äußeren" Mani gehören die höchsten Erhebungen des Taygetos, so auch der 2407 m hohe Berg Profitis Ilias. Wer gut zu Fuß ist, wird sich herausgefordert fühlen, die ausgetrockneten Schluchten, die ehemals das Schmelzwasser aus den umliegenden Bergen in die Felsen gruben, zu durchwandern. Sie haben gewaltige Naturerscheinungen aufzuweisen und sind mit festem Schuhzeug gut zu durchlaufen, da die Wassermengen heutzutage in Stauseen gefaßt und als Brauchwasser in die Dörfer geleitet werden. Schöne Strände gibt es hier zwischen den Küstenorten Kardamyli und Agios Nikolaos. Nach römischem Diktat soll Kardamyli schon zu Zeiten Spartas als Hafen fungiert haben, heutzutage ist es der einzige Ort der Messinischen Mani, der über alle Versorgungseinrichtungen verfügt. Hauptstadt der Halbinsel ist das an der Ostküste gelegene Gythio. Es gehört der "unteren Mani" an, die die den gesamten Küstenstreifen im Osten einnimmt. Den Dörfern an der Westküste gleicht Gythio kein bißchen. Es ist am Rande der lakonischen Bucht gelegen, breitet sich um die Bucht herum aus und ist damit in einiger Entfernung zu den Bergen. Die Häuser sind nicht mehr düster, sondern strahlend weiß gekalkt und mit den typischen Farbtupfern versehen. Die alte Stadt lag früher auf einem niederen Hügel, der sich etwa einen Kilometer von der jetzigen Küstenlinie erhebt. Die neue Stadt steht auf aufgeschüttetem Boden und gruppiert sich um die gemütliche Küstenpromenade mit vielen Tavernen herum. (cf)

Info: Anfahrt mit dem Auto oder den Überlandlinienbussen des KTEL. Unterkunft: in Hotels oder Pensionen, teilweise ist auch das Wohnen in den historischen Türmen möglich, so z.B. in Vathia oder Jerolimenas.
Nützliche Telefonnummern: Aeropolis: Gemeinde Oitylos: 27330/51239; Gesundheitszentrum: 51215; Polizei: 51209;
Linienbusse KTEL: 51229; Taxistand: 51382.
Jerolimenas: Landarzt: 54201; Polizei: 51300.
Kardamyli: Gemeinde Lefktron 27210/73265; Landarzt: 73218; Polizei: 73209.
Gythio: Gemeinde Gythio: 27330/22989;
Gesundheitszentrum 22013; Polizei: 22100, 22271; Hafenamt Gythio: 24798; Taxistand: 23423, 22755

Text mit freundlicher Genehmigung des Verlages und des Autors entnommen aus der ATHENER ZEITUNG, Ausgabe vom 29.6.2001