Aktualisiert am 21/02/03 09:33  
Der Versuch eines Plädoyers zu unserer Verteidigung...
(...obwohl wir das eigentlich gar nicht nötig haben - aber das erklärt sich leider auch erst mit dem Plädoyer.)
Immer wieder hört und liest man Meinungen von Menschen die finden, Stoupa hätte sich zu seinem Nachteil entwickelt und wäre kein ursprünglicher, erholsamer Urlaubsort mehr. Von anderen Menschen hört man wiederum Stoupa sei ein solch niedlicher, gemütlicher Ferienort, daß sie bestimmt im nächsten Jahr wiederkommen würden. Es kommt wohl bei der Meinungsbildung hauptsächlich auf die bisherige Erfahrung und die Anspruchshaltung an.

Sicher, Stoupa sah noch vor 10 Jahren ganz anders aus. Aber wie sah es denn vor 20 Jahren aus? Wer waren denn die Wegbereiter für Stoupa's rasante Tourismusentwicklung?
Sicher nicht die Reisegesellschaften die Stoupa jetzt für fast 6 Monate fest in der Hand haben. Es waren die Individualtouristen, seien es die, die mit dem eigenen Auto oder Wohnmobil die mühsame Strecke bis nach Stoupa auf sich nahmen, oder aber die Rucksacktouristen, die Stoupa oft mehr aus Zufall entdeckt haben und dann hängengeblieben sind. In Folge von dieser ersten Tourismuswelle entstand dann auch ganz flugs die Infrastruktur die diesen Touristen Willkommen war. So wurde in dieser Zeit auch unser ‚Reisebüro' eröffnet. Erst nach dieser ‚Vorbereitung' wurde Stoupa doch für die Reisegesellschaften interessant. Man könnte sogar noch einen Schritt zurückgehen und spekulieren, daß diese allererste ‚Tourismuswelle' ausgelöst wurde von einigen intellektuellen Reisenden die durch die Mani und Stoupa kamen und nach Ihrer Rückkunft in der Heimat die exzeptionelle Schönheit der Gegend in Schrift, Bild und Wort weitergaben oder sogar verkauften - auch wir tun heute im Prinzip nichts anderes mit unserer Homepage im Internet, aber vielleicht auf eine etwas andere Art?

An dieser Stelle möchte ich noch ganz kurz die Geschichte unseres Büros aufzeichnen: Gegründet wurde das Büro von den damaligen Hotelbesitzern und einigen Apartmenthausbesitzern Stoupa's - insgesamt waren es sieben Chefs die meine Mutter, Uta Müller welche kurz nach Gründung eingestellt wurde, zu ‚ertragen' hatte. Nachdem das Geschäft ziemlich schleppend lief und auch das eigentliche Ziel der Gründer, nämlich die eigenen Etablissements voll zu bekommen, eher verfehlt wurde, man aber immer wieder freundlich Auskunft geben oder Dienstleistungen erbringen mußte mit denen kein Geld zu verdienen war, sprang ein Chef nach dem anderen ab. Nach einer kurzen Beschäftigungsunterbrechung meiner Mutter im ‚Zorbas' bot dann der letzte verbliebene Inhaber meiner Mutter das Büro mit allem drum und dran gegen eine Ablösesumme zur Übernahme an. Seit 1997 ist das Reisebüro Zorbas von meiner Mutter eigenverantwortlich verwaltet, seit 1999 hat sie meine Unterstützung. Man könnte sich nun fragen, was wohl diese Hotel- und Apartmenthausbesitzer nach der Ära ‚Zorbas' wohl getrieben haben und ob es nicht vielleicht eben diese waren, die dann mit den englischen, holländischen und österreichischen Reisegesellschaften ins Gespräch kamen...

Sei's wie's sei. Auf jeden Fall haben die ortsansässigen Griechen fortan alles getan um den Ansprüchen der Reisegesellschaften gerecht zu werden. Die netten, teilweise wesentlich länger bleibenden Individualtouristen hat man über die Angebote der Pauschalanbieter völlig vergessen und da man sein Geld für die Saison sogar schon im voraus bekam, sollten die Individualtouristen dann doch sowieso lieber da bleiben ‚wo der Pfeffer wächst', da sie höchstens noch zusätzliche Mühe machten.

Nun sagt mir aber meine bescheidene Auffassungsgabe, daß sich hier in Stoupa z.Zt. nichts anderes abspielt, als das was man schon vor 25 Jahren in Spanien oder Portugal und vor 10 bis 15 Jahren in Griechenland selbst - z.B. gerade Gegenüber in Koroni - mit ansehen konnte: Ein Ort wird entdeckt, die Preise steigen, Konkurrenz entsteht, die Preise fallen wieder, aber der frustrierte, geschändete Ort gibt sich hernach redlich Mühe den Verhältnissen Rechnung zu tragen und rappelt sich - wenn überhaupt und viel Geduld vorausgesetzt - langsam aber sicher zum stimmigen und wieder attraktiven Urlaubsort. So geschehen an anderen Orten und Koroni wird immer liebenswerter...

Nebenbei immer wieder von meiner Mutter erwähnt wird auch, daß ganz zu Beginn des Tourismus in Stoupa sage und schreibe acht Kinder für sechs Klassen vorhanden waren. In den Bergdörfern fand man fast gar keine Kinder, wenn diese Dörfer nicht ohnehin fast ausgestorben waren. Heute geht meine Tochter mit vielen anderen Kindern, zum Teil auch Kindern aus Mischehen in den Kindergarten, der Schule fehlen heute eher die Lehrer und es gibt ein funktionierendes System mit Schulbussen, die die Kinder auch aus dem entlegensten Bergdorf in die Schule bringen.

Es ist eine gewisse Eigendynamik die sich bei solchen Gelegenheiten entwickelt. Selbst organisatorische Instanzen wie Fremdenverkehrszentralen, Bauämter oder Bürgermeister werden von solchen Entwicklungen überrollt. Erst wenn der Boom vorbei ist und sich alle verkatert die Augen reiben, wird man sich wieder hinsetzten und Planen können. Solange muß man die Zähne zusammen beißen und kann höchstens hier und da seine ein wenig ernüchternde Meinung zum Besten geben - meistens zur Belustigung der Zuhörer. Nichtsdestotrotz entwickelt sich unter den Einheimischen langsam aber sicher das Bewußtsein, das etwas falsch läuft. Einige kennen den Fehler genau: Man hätte sich über alles Geld was man durch den Tourismus verdient hat freuen sollen und abwarten. Man hätte es nicht gleich wieder in neue Apartments stecken dürfen bevor die Qualität der vorhandenen nicht erhöht wurde und man damit auch höhere Preise hätte verlangen können. Aber - allzu verständlich - jeder wollte so schnell wie möglich an den dicken Touristenrubel und: Ja nichts verpassen!

Uns bleibt bisher nur: Zähne zusammen beißen aber trotzdem den Mund aufmachen, nicht bei allem und jedem mitmachen und trotzdem von allem und jedem wissen, nicht auf ‚Gedeih und Verderb' Geld scheffeln aber trotzdem genug zum Leben und Arbeiten verdienen. Oftmals eine Gratwanderung, aber wer auf dem Grat wandert ist schon fast oben...

Herzlichst, Stephan Bartholomä (Im Septmeber 2000)