| Immer wieder hört und liest man Meinungen von Menschen die finden,
Stoupa hätte sich zu seinem Nachteil entwickelt und wäre kein ursprünglicher,
erholsamer Urlaubsort mehr. Von anderen Menschen hört man wiederum
Stoupa sei ein solch niedlicher, gemütlicher Ferienort, daß sie bestimmt
im nächsten Jahr wiederkommen würden. Es kommt wohl bei der Meinungsbildung
hauptsächlich auf die bisherige Erfahrung und die Anspruchshaltung
an.
Sicher, Stoupa sah noch vor 10 Jahren ganz anders aus. Aber wie
sah es denn vor 20 Jahren aus? Wer waren denn die Wegbereiter für
Stoupa's rasante Tourismusentwicklung?
Sicher nicht die Reisegesellschaften die Stoupa jetzt für fast 6
Monate fest in der Hand haben. Es waren die Individualtouristen,
seien es die, die mit dem eigenen Auto oder Wohnmobil die mühsame
Strecke bis nach Stoupa auf sich nahmen, oder aber die Rucksacktouristen,
die Stoupa oft mehr aus Zufall entdeckt haben und dann hängengeblieben
sind. In Folge von dieser ersten Tourismuswelle entstand dann auch
ganz flugs die Infrastruktur die diesen Touristen Willkommen war.
So wurde in dieser Zeit auch unser ‚Reisebüro' eröffnet. Erst nach
dieser ‚Vorbereitung' wurde Stoupa doch für die Reisegesellschaften
interessant. Man könnte sogar noch einen Schritt zurückgehen und
spekulieren, daß diese allererste ‚Tourismuswelle' ausgelöst wurde
von einigen intellektuellen Reisenden die durch die Mani und Stoupa
kamen und nach Ihrer Rückkunft in der Heimat die exzeptionelle Schönheit
der Gegend in Schrift, Bild und Wort weitergaben oder sogar verkauften
- auch wir tun heute im Prinzip nichts anderes mit unserer Homepage
im Internet, aber vielleicht auf eine etwas andere Art?
An dieser Stelle möchte ich noch ganz kurz die Geschichte unseres
Büros aufzeichnen: Gegründet wurde das Büro von den damaligen Hotelbesitzern
und einigen Apartmenthausbesitzern Stoupa's - insgesamt waren es
sieben Chefs die meine Mutter, Uta Müller welche kurz nach Gründung
eingestellt wurde, zu ‚ertragen' hatte. Nachdem das Geschäft ziemlich
schleppend lief und auch das eigentliche Ziel der Gründer, nämlich
die eigenen Etablissements voll zu bekommen, eher verfehlt wurde,
man aber immer wieder freundlich Auskunft geben oder Dienstleistungen
erbringen mußte mit denen kein Geld zu verdienen war, sprang ein
Chef nach dem anderen ab. Nach einer kurzen Beschäftigungsunterbrechung
meiner Mutter im ‚Zorbas' bot dann der letzte verbliebene Inhaber
meiner Mutter das Büro mit allem drum und dran gegen eine Ablösesumme
zur Übernahme an. Seit 1997 ist das Reisebüro Zorbas von meiner
Mutter eigenverantwortlich verwaltet, seit 1999 hat sie meine Unterstützung.
Man könnte sich nun fragen, was wohl diese Hotel- und Apartmenthausbesitzer
nach der Ära ‚Zorbas' wohl getrieben haben und ob es nicht vielleicht
eben diese waren, die dann mit den englischen, holländischen und
österreichischen Reisegesellschaften ins Gespräch kamen...
Sei's wie's sei. Auf jeden Fall haben die ortsansässigen Griechen
fortan alles getan um den Ansprüchen der Reisegesellschaften gerecht
zu werden. Die netten, teilweise wesentlich länger bleibenden Individualtouristen
hat man über die Angebote der Pauschalanbieter völlig vergessen
und da man sein Geld für die Saison sogar schon im voraus bekam,
sollten die Individualtouristen dann doch sowieso lieber da bleiben
‚wo der Pfeffer wächst', da sie höchstens noch zusätzliche Mühe
machten.
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Nun sagt mir aber meine bescheidene Auffassungsgabe, daß sich hier
in Stoupa z.Zt. nichts anderes abspielt, als das was man schon vor
25 Jahren in Spanien oder Portugal und vor 10 bis 15 Jahren in Griechenland
selbst - z.B. gerade Gegenüber in Koroni - mit ansehen konnte: Ein
Ort wird entdeckt, die Preise steigen, Konkurrenz entsteht, die
Preise fallen wieder, aber der frustrierte, geschändete Ort gibt
sich hernach redlich Mühe den Verhältnissen Rechnung zu tragen und
rappelt sich - wenn überhaupt und viel Geduld vorausgesetzt - langsam
aber sicher zum stimmigen und wieder attraktiven Urlaubsort. So
geschehen an anderen Orten und Koroni wird immer liebenswerter...
Nebenbei immer wieder von meiner Mutter erwähnt wird auch, daß
ganz zu Beginn des Tourismus in Stoupa sage und schreibe acht Kinder
für sechs Klassen vorhanden waren. In den Bergdörfern fand man fast
gar keine Kinder, wenn diese Dörfer nicht ohnehin fast ausgestorben
waren. Heute geht meine Tochter mit vielen anderen Kindern, zum
Teil auch Kindern aus Mischehen in den Kindergarten, der Schule
fehlen heute eher die Lehrer und es gibt ein funktionierendes System
mit Schulbussen, die die Kinder auch aus dem entlegensten Bergdorf
in die Schule bringen.
Es ist eine gewisse Eigendynamik die sich bei solchen Gelegenheiten
entwickelt. Selbst organisatorische Instanzen wie Fremdenverkehrszentralen,
Bauämter oder Bürgermeister werden von solchen Entwicklungen überrollt.
Erst wenn der Boom vorbei ist und sich alle verkatert die Augen
reiben, wird man sich wieder hinsetzten und Planen können. Solange
muß man die Zähne zusammen beißen und kann höchstens hier und da
seine ein wenig ernüchternde Meinung zum Besten geben - meistens
zur Belustigung der Zuhörer. Nichtsdestotrotz entwickelt sich unter
den Einheimischen langsam aber sicher das Bewußtsein, das etwas
falsch läuft. Einige kennen den Fehler genau: Man hätte sich über
alles Geld was man durch den Tourismus verdient hat freuen sollen
und abwarten. Man hätte es nicht gleich wieder in neue Apartments
stecken dürfen bevor die Qualität der vorhandenen nicht erhöht wurde
und man damit auch höhere Preise hätte verlangen können. Aber -
allzu verständlich - jeder wollte so schnell wie möglich an den
dicken Touristenrubel und: Ja nichts verpassen!
Uns bleibt bisher nur: Zähne zusammen beißen aber trotzdem den
Mund aufmachen, nicht bei allem und jedem mitmachen und trotzdem
von allem und jedem wissen, nicht auf ‚Gedeih und Verderb' Geld
scheffeln aber trotzdem genug zum Leben und Arbeiten verdienen.
Oftmals eine Gratwanderung, aber wer auf dem Grat wandert ist schon
fast oben...
Herzlichst, Stephan Bartholomä (Im Septmeber 2000)
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